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Die Schachuhr

in Die Schachuhr 13.06.2013 13:14
von Emanuel | 54 Beiträge | 453 Punkte

Verwendung der Schachuhr beim Schach
Die Voraussetzungen, die eine Schachuhr erfüllen muss, um bei offiziellen Turnieren zugelassen zu sein, und die Regeln für ihren Gebrauch werden von der FIDE im »FIDE Handbuch der Schachregeln« festgelegt.
Demnach gelten folgende Richtlinien:

Eigenschaften der Schachuhren
Der Abschnitt C.02.4 legt wörtlich folgende Regeln fest:

»Schachuhren sollten eine Vorrichtung haben, die präzise angibt, wann der Stundenzeiger eine ganze Stunde anzeigt.

Sie sollten ein so genanntes »Fallblättchen« besitzen, das an der Zahl Zwölf oder einer anderen Zahl angebracht ist, aber immer so, dass sein Fallen deutlich sichtbar ist und es den Schiedsrichtern und Spielern erleichtert, Zeitkontrollen durchzuführen.

Die Uhr sollte nicht spiegeln und damit das Erkennen des Fallblättchens erschweren.
Sie sollte so leise wie möglich laufen, um die Spieler während des Spiels nicht zu stören.«

Gebrauch der Schachuhren
Der Abschnitt E.I.01A.6[9] legt sinngemäß folgende Regeln zum Gebrauch einer Schachuhr bei einer offiziellen Schachpartie fest:

Wartung. Die Schachuhr ist ein Instrument des Schiedsrichters. Der Schiedsrichter hat demnach für die korrekte Funktionsweise der Uhr zu sorgen und muss Zeitkontrollen durchführen.

Einstellen der Uhrzeit. Die Uhren werden so gestellt, dass die Zeitüberschreitung mit dem Fallen des Blättchens einhergeht. Die Zeitüberschreitung soll bei der angezeigten Uhrzeit 6 Uhr stattfinden; so können Stunden- und Minutenzeiger in der Zeitnotphase besser unterschieden werden, als wenn die Zeitüberschreitung bei 12 Uhr stattfände.

Position relativ zum Schachbrett. Die Position der Schachuhr wird vom Schiedsrichter vor Beginn der Partie festgelegt. Üblicherweise werden die Uhren so postiert, dass der Schiedsrichter sie gut einsehen kann. Der Schiedsrichter darf die Wahl der Position auch den Spielern überlassen. In der Regel haben Rechtshänder einen geringen Vorteil, wenn die Schachuhr rechts von ihnen steht und Linkshänder, wenn sie links von ihnen steht; die Möglichkeit, die Uhrenposition festlegen zu dürfen, kann also insbesondere bei Blitzpartien von Vorteil sein. Bei weniger bedeutsamen Partien wird die Uhrenwahl für gewöhnlich dem Spieler der schwarzen Steine überlassen, da der weiße Spieler im Gegenzug den Anzugsvorteil hat.

Verspäteter Beginn. Zum festgelegten Startzeitpunkt der Partie wird die Uhr des weißen Spielers in Gang gesetzt. Ist ein Spieler abwesend und bis eine Stunde nach dem Startzeitpunkt noch nicht eingetroffen, so hat er die Partie verloren. Trifft ein Spieler verspätet ein und lief in der Zwischenzeit seine Uhr, so muss er mit der angezeigten, verminderten Bedenkzeit weiterspielen. Ab dem 1. Juli 2009 gelten lt. FIDE für den verspäteten Beginn neue Regeln. Danach hat ein Spieler, der erst nach Beginn der Partie am Brett eintrifft, diese Partie sofort verloren, wenn in der Ausschreibung des Turniers nicht Anderes vereinbart worden ist.

Drücken der Uhr. Die Uhr muss mit derselben Hand gedrückt werden, mit der auch der Zug ausgeführt wurde. Dadurch wird verhindert, dass Spieler zum Drücken eine Hand ständig auf der Uhr liegen lassen.

Verspätetes Drücken. Nach jedem Zug muss die Uhr beider Spieler kurz laufen. Insbesondere bei Blitzpartien kann es vorkommen, dass ein Spieler einen Zug ausführt und sein Gegner diesen sofort mit einem Gegenzug beantwortet, ohne abzuwarten, dass die Uhr gedrückt wurde. In diesem Fall muss das beiderseitige Drücken der Uhr nachgeholt werden. Das stellt sicher, dass ein Spieler nicht völlig auf die Bedenkzeit des Gegners spielt.

Anhalten der Uhr. In der Regel ist nur der Schiedsrichter beziehungsweise Wettkampfleiter berechtigt, die Uhr anzuhalten. Ausnahmsweise darf ein Spieler dann die Uhr stoppen, wenn er den Schiedsrichter um Hilfe bittet (z. B. wenn er auf Remis reklamiert oder wenn er einen Bauern umwandeln möchte und die gewünschte Figur nicht zur Hand ist. (FIDE-Regel 6.13))

Remisangebot. Ein Spieler soll ein Remisangebot nur dann abgeben, wenn er einen Zug ausgeführt hat und die Uhr noch nicht gedrückt hat. Ein Remisangebot zu einem anderen Zeitpunkt ist ebenso gültig, kann aber als Störung betrachtet werden.

Zeitüberschreitung. Ein Überschreiten der Bedenkzeit hat normalerweise den Verlust der Partie zur Folge. Ausgenommen von dieser Regel sind nur solche Stellungen, in denen der Gegner auch gegen schwächstes Spiel keinesfalls mehr gewinnen kann. In derartigen Stellungen (etwa wenn eine Partei nur noch einen König hat und der Gegner die Zeit überschreitet) wird die Partie nach der Zeitüberschreitung remis gegeben. Ist ein Spieler der Auffassung, dass sein Gegner nicht mit normalen Mitteln zu gewinnen versucht (sondern nur durch Zeitüberschreitung), so kann er in einer Partie mit normaler Bedenkzeit nach Artikel 10.2 der FIDE-Regeln auf remis reklamieren, sofern er noch maximal zwei Minuten Restbedenkzeit hat. Schließt sich der Schiedsrichter dieser Auffassung nach Beobachtung des weiteren Partieverlaufs an, so kann er die Partie auch noch nach der Zeitüberschreitung für remis erklären. Eine Zeitüberschreitung darf nur durch den Gegner oder den Schiedsrichter reklamiert werden (im Schnellschach und Blitzschach nur durch den Gegner).

Beidseitige Zeitüberschreitung. Sind in einer Turnierschachpartie beide Blättchen gefallen und es ist nicht feststellbar, welches zuerst gefallen ist, so wird abhängig von der Zeitperiode des Bedenkzeitmodus entschieden: Folgt auf die Zeitkontrolle (etwa anlässlich des 40. Zugs) noch eine weitere Zeitperiode, dann wird die Partie fortgesetzt. Wenn die beidseitige Zeitüberschreitung in der letzten Zeitperiode auftritt, in der beide Spieler alle verbleibenden Züge vollenden hätten müssen („Endspurtphase“), dann ist die Partie remis. In wichtigen Partien darf ein solcher Fall beidseitiger Zeitüberschreitung nicht vorkommen, da hier der Schiedsrichter für die Zeitkontrolle verantwortlich ist und die Zeitüberschreitung reklamieren muss. Digitale Schachuhren zeigen heute in der Regel an, welcher Spieler zuerst die Zeit überschritten hat. Im Schnell- und Blitzschach endet eine Partie in jedem Fall remis, wenn beide Spieler die Zeit überschreiten.

Des Weiteren gelten folgende Regeln, die den Gebrauch der Uhr beeinflussen, aber an anderen Stellen im Regelwerk festgelegt sind:

Zeitstrafen. Schiedsrichter dürfen bei Verstößen der Spieler gegen die Spielregeln Zeitstrafen erteilen. Eine Zeitstrafe kann sowohl bedeuten, dass die Uhr des bestraften Spielers vorgestellt wird, er also Bedenkzeit verliert, als auch dass die Uhr des Gegners zurückgestellt wird, dieser also Bedenkzeit hinzugewinnt. Beispiele für Auslöser solcher Zeitstrafen sind unmögliche Züge oder unsportliches Verhalten eines Spielers. Eine Zeitstrafe kann allerdings nie so hoch ausfallen, dass der bestrafte Spieler unmittelbar die Bedenkzeit überschreitet.

Blindenschach. Bei einer Partie gegen einen schlecht sehenden oder blinden Spieler kann für die Partie eine spezielle Uhr verwendet werden. Der Blinde hat auch die Möglichkeit, einen Assistenten einzusetzen, der unter anderem nach einem ausgeführten Zug die Uhr des Gegners in Gang setzen darf.


»You can only get good at chess if you love the game.« -Robert James Fischer


zuletzt bearbeitet 16.06.2013 17:24 | nach oben springen


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